Zahl der Studenten klettert…in den Keller.
| Autor: Kristin | Kategorie: Kuriosum | 12.August 2008 |
„Es fehlen Fach- und Führungskräfte! Wir haben einen Akademikermangel. Hilfe!“ So oder so ähnlich tönt zur Zeit es aus deutschen Unternehmen. Beklagt wird auch die Notwendigkeit, Spezialisten aus dem Ausland zu holen und nie die Nummer 1 an der Wirtschaftskraft-Rangliste zu sein.
Tja. Woran liegt das denn nun genau? Ist unser Nachwuchs etwa nicht intelligent genug um ein Hochschulstudium anzufangen oder fehlt einfach irgendwie die Motivation?
Das kann es ja wohl kaum sein.
Focus online zeigt es. Fakt ist: Die Studentenzahlen klettern…aber nicht etwa die Leiter hinauf, sondern die Kellertreppe hinunter. Der Wissenschaftsrat äußert sich in diesen Tagen sehr besorgt zu diesem Thema. Er ist das Beratungsgremium von Bund und Ländern in allen Fragen der Hochschul- und Forschungspolitik.
Es gibt zwar immer mehr junge Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife. Doch zu wenige von ihnen nehmen tatsächlich ein Studium auf“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Stohschneider. Als mögliche Gründe nannte er Finanzierungsprobleme für Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern, die sich durch Studiengebühren verschärfen könnten. Hinzu kämen die erhebliche Ausweitung der örtlichen Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) sowie Probleme beim Bewerbungsverfahren. (Quelle)
Laut Strohschneider haben sich vom Abi-Jahrgang 2006 lediglich 68% für ein Hochschulstudium entschieden. 2002 waren es aber noch 73 %. Und die Zahl sinkt weiter, so auch im letzten Jahr. Selbst dieses Jahr liegen die Zahlen der eingeschriebenen Studenten an den Hochschulen weit unter den möglichen Kapazitäten.
Statistiken zeigen, dass derzeit 22 % eines Altersjahrganges in Deutschland einen Hochschulabschluss erwerben. Ziel soll es jedoch sein, diese Zahl auf 35 % zu erhöhen. Nur so könne man dem drohenden Fachkräftemangel in Zukunft entgegen wirken und Deutschlands Wirtschaft stärken.
Ein Grund für den Rückgang der Einschreibungen ist die Einführung der Studiengebühren in 7 unionsregierten Bundesländern. Weiterhin fehlen innovative Studienplätze, die auf die wirtschaftlichen Entwicklungen passgenau zugeschnitten sind. Ein enormes Problem seien auch komplizierte Zulassungsverfahren, die den Einschreibeprozess verlangsamen und abschreckend wirken, so Strohschneider.
Zugleich verwies er darauf, dass es durch die in den neuen gestuften Bachelor-und Master-Studiengängen „gestiegenen Präsenz-Anforderungen schwerer geworden ist, sich den Lebensunterhalt nebenher zu erwirtschaften.(Quelle)
Jawohl. Das sind also die wahren Gründe. Also nichts mit fehlender Intelligenz oder mangelnder Motivation.
Für viele, die sich zwar einen Studienplatz wünschen, dann aber zwischen „Pizza-Ausliefern“, “Medikamenten testen” und „Call-Center-Tätigkeit“ als Finanzierungshilfe des Studium entscheiden müssen, ihre Seminare und Vorlesungen nur unregelmäßig besuchen können und das Studium somit „sausen lassen“ müssen, rückt der akademische Titel dann in weite Ferne.
Da lohnt sich für viele dann doch eher gleich eine Ausbildung – denn irgendwie muss man ja den WG-Kühlschrank füllen – und mit Leistungsscheinen geht das nicht. Da braucht es auch ein paar Euro-Scheine.

12.August 2008, 14:05 …naja leben in dtl. wird nicht gerade billiger seit geraumer zeit und wenn man den begriff studiengebuehren bei google trends eingibt: http://www.google.com/insights/search/#cat=&q=studieren%2Cstudiengeb%C3%BChren&geo=DE&date=&clp=&cmpt=q
kann man recht gut erkennen, wo der schuh am meisten drueckt…wie zu erwarten war, sind das nicht die alten bundeslaender…alle 6 neuen laender sind unter den ersten 10 ergebnissen, in denen dieser begriff recherchiert wird…bildungspolitik ollè
ps.hauptsache die chinesen haben weiterhin die moeglichkeit kostenlos an deutsche unis zu studieren, wenn sichs die ossis schon nicht leisten koennen.
12.August 2008, 15:07
Naja, zum Glück ist es der “Wissenschaftsrat”.
Ansonsten, ja, ernüchternde Entwicklung und eine Ohrfeige für die Hochschul- und Bildungspoltik hierzulande.