Der Weg zur Arbeit. Eine Ode an die Straßenbahn und ihre Mitfahrer. Teil I

Autor: Kristin  Kategorie: Kuriosum 18.November 2008

Heute gibt es ein paar Worte über etwas, was jeder schon irgendwie einmal erlebt hat und jedem immer wieder begegnet: der Weg zur Arbeit. Teil II dazu, wird am Donnerstag geliefert.

Jeden Morgen ist es immer wieder ein Schauspiel: Der Weg zur Arbeit. Mit der Straßenbahn. Ganz großes Kino.  Es sind die wahrscheinlich reinsten und unberührtesten Minuten eines jeden Tages. Frisch geduscht läuft man zur Haltestelle. Frei von Vorurteilen steht man neben dem Wartehäuschen, dem Tag offen gegenüber stehend und bereit für jede Art von Inspiration. Und dann beginnt die Vorstellung. Vorhang auf für den Streifen, den man auch „Die Straßenbahn-Milieu-Studie 3.0“ nennen könnte. Es führt kein Weg daran vorbei, dem „Blockbuster“ kann man sich nicht entziehen, plötzlich ist man mittendrin. Kopfkino pur.

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Alle Mitwartenden wahren die gesunde Einzeldistanz. Das ist auffallend. Sie isolieren sich, wollen sich nicht kennen und schon gar nicht mögen. Die Isolierung geschieht auf ganz unterschiedlichste Art und Weise. Die Einen hüllen sich in eine neblige Rauchwolke. Selbst wenn man genau hinsieht, kann man nur Konturen erahnen. Besonders praktisch, wenn das Styling eben jener Person am Morgen eher gering ausfiel. Sehen kann man sie sowieso nicht. Nur riechen. Die Anderen isolieren sich mittels akustischer Mittel. Den Mp3-Player in der Hose, die Kopfhörer tief in die Ohren gesteckt und den „Nicht ansprechen-Blick“ aufgesetzt. Sobald sich einer von ihnen bewegt, bewegen sich die anderen mit. Die Distanz darf nicht gestört werden.

Bei dem täglichen Weg zur Arbeit ergeben sich nach spätestens einer Woche „Déjà vu“- Erlebnisse. Die Gesichter sind immer die gleichen und selbst ihre Handlungen wiederholen sich. Nicht selten kennt man spätestens nach zwei Wochen auch bereits das gesamte Kleiderschrank-Inventar aller Personen. Die Wartezeit auf die Straßenbahn kann man prima nutzen, um die täglichen Mitfahrer zu katalogisieren und einzuordnen. Bereits nach vier Wochen Arbeitsweg ergeben sich folgenden Nutzertypologien:

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Typ 1: Die Musikalischen
Sie verwenden Mp3-Player aller Art und lassen alle um sie Herumstehenden auch gern an ihren musikalischen Ergüssen teilhaben. Der Bass brummt, die Fispel-Stimme der Popqueen ist für alle auch jenseits des verglasten Wartehäuschens hörbar. Wie nett von ihnen: sie teilen halt gern. Dabei wippt entweder Fuß, Kopf mit oder der gesamte Hörer zuckt wie wild im Takt. Die „Hörbuch per Mp3-Fraktion“ erkennt man am wilden Zurückspulen, da der Straßenlärm nicht alle Kapitelüberschriften in den Gehörgang fließen ließ.

Typ 2: Die Frustrierten
Auch sie teilen gern. Und zwar ihre schlechte Laune. Mit allen. Erkennbar sind jene Wesen an ihrem vergrießknaddeltem Blick. Düster und mürrisch kommentieren sie das Geschehen um sie herum mit einem mürrischen „Hmm“, Augenbrauenzucken oder mit einem überdrüssigen Schnaufen. Hart muss ihr Leben sein.

Typ 3 und 4 gibts am Donnerstag :-)


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