Outlook-Termin: Donnerstag 20 Uhr – Freunde treffen
| Autor: Kristin | Kategorie: Karrierenews | 19.February 2009 |
Work-Life-Balance ist als Modebegriff in aller Munde. Zwar ist bald Freitag und das Wochenende naht - theoretisch bräuchte man sich darüber jetzt also keine Gedanken machen. Doch auch nach dem Wochenende wird es einen stressigen Montag geben, an dem man nicht weiß, wie einem vor lauter Stress geschieht. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu…
Es ist Mittwoch, 5 vor 9 Uhr. Hastig öffnet Tanja M. die Bürotür. Verstört blickt sie auf ihre Uhr. „Mist, das Meeting beginnt gleich. Ich muss noch die Handouts ausdrucken“. Der Blick auf den Drucker macht sie nervös, eine Warteschlange, die Uhr tickt, der Abteilungsleiter macht es sich bereits im Meeting-Saal bequem, Kollegen huschen an ihr vorbei. Zwei Besprechungen, ein Briefing neuer Kollegen und ein weiteres Team-Meeting zum neuen Agenda Setting später. Das Mittagessen besteht aus einem Salat während einer Konzeptbesprechung in der Kantine. Danach: Stunden voller Hektik, Aufruhr, Stimmengewirr. Druckergeräusche und Telefonklingeln machen den Stress perfekt. Tanjas Gedanken kreisen um Deadlines, Präsentationmappen und um den Feierabend. „Vielleicht schaff ich es heute einmal vor 20 Uhr“, denkt sie. Doch sie wird enttäuscht werden: der Supermarkt und der leere Kühlschrank zu Haus, ihre Freundin, die heut eigentlich Geburtstag hat, der Anruf bei der kranken Oma und der Wäscheberg zu Hause werden auch heute wieder warten müssen. Und Morgen? Morgen geht’s so weiter wie heute.
Wer ist eigentlich Tanja M.? Sie ist PR-Beraterin in einem Berliner Unternehmen.
Doch eigentlich ist sie ein Mensch wie wir alle. Ihr Outlook-Kalender plant ihr Leben. Von Freizeit und einfach mal „Mensch sein“ spürt sie nicht viel. Sie hat einfach keine Kraft mehr, fühlt sich ausgebrannt. „Burn-out“ – wie es heut gern bezeichnet wird. Das Problem ist bekannt.
Einige Unternehmen stützen sich daher auf das Prinzip „Work-Life-Balance“. Sie haben erkannt, dass es in einer globalisierten und wissensbasierten Welt neben der Rekrutierung von Mitarbeitern auch wichtig ist, diese leistungsfähig zu halten und zu motivieren. Was nützen auch hochqualifizierte Leistungsträger, die nach einem Jahr ausgebrannt sind?
Diese Personaler wissen: der wirtschaftliche Nutzen ergibt sich nur wenn Personal erhalten wird. Einsparungen entstehen nur durch eine geringe Mitarbeiterfluktuation, eine Reduzierung von Fehlzeiten und Steigerung der Arbeitsproduktivität.
Diese Unternehmen beginnen aus dem großen Topf der Work-Life-Balance-Möglichkeiten zu schöpfen. Sie bieten unternehmenseigene Kinderbetreuungsmaßnahmen, Wiedereingliederungsprogramme für Berufsrückkehrer oder auch Unterstützung bei der Pflege älterer Angehöriger (Eldercare). Flexible Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte (Telearbeit) sind bisher weiter verbreitet als Angebote zur Stressreduzierung (firmeninterne Yoga- und Entspannungskurse, Sportangebote). Einige Unternehmen gewähren sogar Concierge-Dienste (zum Beispiel Einkaufs- oder Bügeldienste).
Doch wenn mal mal ehrlich ist: wieviel Unternehmen gibt es wirklich, die diese Services anbieten? Klingt schon alles ganz schön unrealistisch, oder? Da muss man dann schon selbst ran. Hier ein paar Dinge, die man selbst in der Hand hat:
Ziele stecken
Realistische To-Do-Listen anfertigen und abhaken gibt ein unheimlich gutes Gefühl, und: das Tagwerk ist sichtbar, die Struktur und der Arbeitsfahrplan geben Sicherheit. Achtung: Nicht mehr machen wollen, als auf der Liste steht.
Nein-Sagen und Alternativen anbieten
Die eigenen Grenzen erkennen und vor sich vor Überbelastung schützen. Außerdem erspart es den peinlichen Moment, Fristen nicht einhalten zu können. Wenn es hilft, lieber dem Chef einen Alternativvorschlag anbieten.
Pausen bewusst genießen
Kleine Rituale in jeden Pausen lassen einen die kurze Zeit bewusst erleben. Trink in jeder Pause einen Tee oder Saft und lass den Tag Revue passieren. Durchatmen und genießen. In Pausen ist Träumen erlaubt!
Termine mit Zeitpuffer machen
Plan die Termine nie zu eng. Lieber vor- und hinterher ein paar Minuten Zeit einplanen, Zeit zum Plauschen und Durchatmen beachten. Das ist kein Verbrechen sondern verhindert Stress.
Freizeit bewusst planen
Am Anfang der Woche an jedem Tag einen persönlichen Termin als „Highlight“ planen und einhalten. Der Termin „20 Uhr, Abendessen beim Italiener“ macht das Aufstehen leichter.
Und wenn doch einmal etwas Geschäftliches nicht eingehalten werden kann, hilft es, die Konsequenzen zu relativieren. Halte dir einfach einmal vor Augen, dass es weitaus Schlimmeres gibt. Dann klappen Dinge von Anfang an.


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