Nur jede 25. Frau arbeitet in der ersten Führungsebene

Autor: Kristin  Kategorie: Karrierenews 3.August 2009

Und wieder einmal gibt es etwas aus der amüsanten Rubrik „Job, Karriere und Geschlechterunterschiede“. Diesmal gibt’s dazu Infos vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Eine Studie des Instituts macht nämlich noch einmal deutlich, wie unterrepräsentiert Frauen in der Führungsebene sind.

In der obersten Führungsebene ist nur jede vierte Führungskraft eine Frau, in der zweiten Ebene jede dritte. Selbst in frauendominierten Betrieben mit einem durchschnittlichen Frauenanteil von 84 Prozent besetzen Frauen nur 56 Prozent der Führungspositionen.

Na ja. Viel ist das ja wirklich nicht. Denkt man nicht, oder? Immerhin ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen in Deutschland in den letzten Jahren doch erheblich gestiegen: 38 Prozent der hochqualifizierten Beschäftigten sind weiblich, und 80 Prozent der Hochschulabsolventinnen sind berufstätig. Doch in der Führungsetage findet man Frau eben selten. Woran das nur liegen mag?

Das IAB begründet das Dilemma mit der Tatsache, dass das Einstellungsverhalten in den Betrieben noch nach festen Geschlechterstrukturen passiert und diese eben so gefestigt werden. Tja.

Aber immerhin: Je höher der Frauenanteil in einem Betrieb ist, desto häufiger werden dort offene Stellen mit  Frauen besetzt. In der Praxis überzeugt das „Produkt Frau“ dann wohl doch. Vor allem der Dienstleistungssektor vergibt Jobs an weibliche Hochqualifizierte, zeigt die IAB-Studie.

Um dem ganzen Geschlechterkampf-Elend ein bisschen entgegen zu wirken, werden immer mehr Maßnahmen zur Chancengleichheit – vor allem in Großbetrieben – ergriffen. Sieben Prozent der Betriebe haben betriebliche, tarifliche oder freiwillige Vereinbarungen zur Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen. Meist handelt es sich dabei um Großbetriebe mit 500 oder mehr Beschäftigten, so dass insgesamt ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer in einem Betrieb tätig ist, der sich beim Thema Chancengleichheit engagiert.

Wer noch mehr Zahlen und Fakten braucht, der kann sich die gesamte Studie genau hier downloaden.
Einen geruhsamen Montag noch.




5 Kommentare zu dem Thema: “Nur jede 25. Frau arbeitet in der ersten Führungsebene”

  1. Mike
    Dieses Frauen-Männer-Ding ist tatsächlich ein Problem, denn wer lässt sich als “starker Mann” schon etwas von einer Frau erzählen? Dabei sollte man durchaus beachten, das gerade beim Thema Menschenführung/Personalführung ein sehr hohes Maß an Empathie vorhanden sein muss und das bringen Frauen nunmal eher mit als Männer. Auf den stetigen Einwand der Mutterschaft, der hierzulande leider eine große Rolle spielt, lässt es sich so allmählig auch nicht mehr beharren, denn wer Mutter ist agiert in einem Entscheidungsprozess nochmal ganz anders als ohne oder gar als Mann.
    Studien zeigen, dass es gerade bei Verhandlungen immer wichtiger wird auch Frauen als Gesprächspartner ins Boot zu holen, um ggf. einen “Streit” beilegen zu können.
    Traurige Wahrheit und damit fast schon Gewissheit ist aber, dass es wohl noch eine gute Weile dauern wird bis die Frau tatsächlich als “gleicher” Partner in der Führungsetage und in den Köpfen angekommen ist.

    Interessant zu sehen wäre aber, ob es bei diesen Statistiken auch ein Ost/West-Gefälle gibt. Könnte mir durchaus vorstellen, dass der Anteil der Frauen in der “Führungstegae” gerade im Osten höher ist.
  2. Conny
    Dazu passt die Wochenend-Forderung des Dalai Lama:

    http://www.focus.de/karriere/management/dalai-lama-mehr-frauen-in-die-chefetagen_aid_422734.html

    @Mike: Wieso mehr Frauen im Osten? Die Theorie interessiert mich.
  3. Mike
    @Conny: Weil traditionell der Anteil der “arbeitenden Frauen” im Osten höher ist und demnach auch der Bildungsabschluss. Könnte mir also durchaus vorstellen - trotz demografischen Wandels - dass der Anteil der Frauen in der Führungsetage im Osten höher ist. Im Westen ist es noch sehr verbreitet, dass die Frau nach der Schwangerschaft recht lange zu Hause bleibt. Das ist im Osten nicht so. Kann es aber nicht belegen, deswegen wäre das eine Statistik, die mich persönlich noch interessieren würde.
  4. Conny
    Kluge Theorie. Habe recherchiert und das hier gefunden: “In Ostdeutschland ist denn auch der Frauenanteil in den Chefetagen der Unternehmen mit 30 Prozent höher ist als im Westen: Dort stagniere der Anteil seit vier Jahren bei 24 Prozent. In der zweiten Führungsebene ist der Abstand mit 44 zu 34 Prozent noch deutlicher.”

    –> http://www.focus.de/karriere/perspektiven/studie-ossi-frauen-trotzen-der-krise_aid_412283.html

    Der Artikel ist auch über unser Thema hier hinaus interessant, wird doch darin einmal die ostdeutsche Wirtschaft als vorteilhaft angesehen, weil kleinteiliger und damit anpassungsfähiger in Zeiten der Wirtschaftskrise.
    Wenn ich nochmal in deinen Kommentar schaue: Emotionalität schließlich als Stärke und Schwäche der Frau - so ganz schmeckt mir das nicht. Es bleibt damit die Frau als Negativdefinition von Mann.
  5. Mike
    Dass es so ist konnte ich mir gut vorstellen aber das es so gravierend ist - ich hatte ja keine Ahnung.

    Jetzt aber wissen wir mit Sicherheit warum der Westdeutsche immer nur Ossi zu sagen pflegt.
    Es fällt ihm einfach schwer Spezialist zu sagen.

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