Eine Befragung der anderen Art. Oder etwa doch nicht?

Autor: Kristin  Kategorie: Kuriosum 3.July 2008

Donnerstag Vormittag um 11. Nach dem ersten Kaffee beginnt natürlich auch gleich die Recherche nach Trends und News aus dem Bereich Karriere und Job. Das Netz wird durchforstet, wild geklickt, gedownloaded und gescrollt. Bei dem heutigen „search ´n click“ erspähte ich folgendes Fundstück: www.oxygenz.com .

Nein, es handelt sich dabei nicht um eine Seite, die sich mit der Luftverschmutzung, der globalen Erwärmung und mit den Eisschollen verlierenden Pinguinen beschäftigt. Es ist vielmehr eine Seite, bei der alles sich um eine neue Studie im Bereich Arbeitsumfeld dreht. Diese globale Studie heißt Oxygenz und ist ein Forschungsprojekt von Johnson Controls und Haworth und untersucht die Erwartungen der Generation Y (18 – 25 Jahre) an ihre zukünftige Arbeitsumgebung.

Was soll diese Studie bewirken? Sie soll zeigen wie sich junge Menschen ihren zukünftigen Arbeitsplatz vorstellen. Arbeitgeber sollen dann in Zukunft die Arbeitsumfelder wirtschaftlicher planen, denn ein toller Arbeitsplatz soll Einfluss auf die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter haben.

Aha.

Die Seite wirkt eher kommerziell, denn für eine wissenschaftliche Studie ist sie einfach zu schick, zu dynamisch und zu ansprechend. Man mag es kaum glauben: der akademische Partner der Studie ist das Fraunhofer Institut (IAO). Eine Befragung der ganz anderen Art eben. Man scheint es verstanden zu haben, dass es auch einmal anders geht als nur stupide Formulare und Befragungsbögen mit Kreuzchen oder Häkchen bei den Studis nach einer langweiligen Vorlesung im Audimax zu verteilen. Diese dienen dann vielmehr dazu, um Kaffeeflecken, welche die eingebeulten To-Go-Becher auf der Sudoku-Zeitschrift hinterlassen haben, aufzuwischen.

Oxygenz.com lässt die Befragung eigentlich in den Hintergrund treten. Auffallender ist das Seitendesign. Gefragt wird nach dem Wunscharbeitsort (in der Stadt oder auf dem Land), nach dem Wunscharbeitsweg oder ob man im Wunschbetrieb Rezeptionen, Portiers, Einlasskarten oder „freien Durchlauf“ bevorzugt. Alles wird mit lustigen Grafiken und Animationen hinterlegt. Sehr kurzweilig eben. Auch die gewünschte Büroeinrichtung ist von Interesse. Ein klassisches Büro mit Polstersesseln oder doch ganz Yuppie-like in minimalistischem Stil? Wie soll die Wandfarbe sein? Und sind ein Parkettboden, Teppich oder doch lieber Laminat ansprechender? Man kann sich seine Lieblingsarbeitsgeräte auswählen (PC oder Mac?) und sich über die Wandgestaltung äußern. Nach der Bezahlung wird jedoch nicht gefragt.

Nicht schlecht. Ob es was bringt, ist fraglich. Ein schickes Bild an der Wand, pinkfarbene Gardinen und ein überdimensionaler Massagesessel mit eingebauten Fußbadmassage-Behälter im Büro helfen schließlich auch nicht, wenn der Rest, zum Beispiel das Geld, nicht stimmt.

Ganz so unkommerziell ist die Seite es ja nun auch nicht: was zu gewinnen gibt’s natürlich auch. Irgendwie muss man die Leute ja animieren, bei einer Studie mitzumachen *gähn*. Sonst wär der ganze Aufwand für die Seite ja umsonst und man hätte auch beim Papier-Kreuzchen-Wegschmeiss-Fragebogen an der Mensa bleiben können, oder?

 
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